Rezension “The Last Kingdom”, Staffel 1, 1-4

Cover "The Last Kingdom"
Cover “The Last Kingdom”

Nachdem ich jetzt die ersten vier Episoden der Serie “The Last Kingdom”, die auf einem von Bernhard Cromwell („The Sharpe Series“) verfassten Roman basiert, gesehen habe, fühle ich mich doch genötigt eine kleine Rezension abzugeben.

Hätte ich gewusst, dass es sich um den gleichen Autor handelt, der auch Richard Sharpe ins Leben gerufen hat, hätte ich mir die Serie viel früher angeschaut.

Zusammenfassung “The Last Kingdom”

Die Serie behandelt den jungen Uhtred von Bebbanburg, der als Junge von den Dänen (Wikingern) gefangengenommen und später als Sklave „verkauft“ wird. Da sein Vater ein Olderman (Übersetzungen sind schwierig, aber es könnte sich um eine Art Adel handeln, die dem „König“ das jeweiligen Gebietes zu Gefolgschaft verpflichtet sind) des Königs von Wessex ist, ist er durch sein Erbe ebenfalls ein Olderman bzw. ein Engländer. Was man zur damaligen Zeit – um 870 n. Chr. – als England bezeichnen können. Uthred lebt fortan als Sklave beim Dänenfürst Ragnar und freundet sich mit dessen Sohn an. Als Uthreds Onkel – durch einige Intrigen hat dieser sich der Herrschaft über Burg und Volk nach dem Tod von Uthreds Vater angeeignet – erfährt, dass der wahre Erbe noch lebt, will er ihn gegen ein Lösegeld freikaufen. Aber nicht etwa um ihn auf den Thron zu heben, Uthreds Onkel ist nur daran interessiert, die Jungen so schnell wie möglich loszuwerden, damit er selbst der rechtmäßige Erbe ist. Mit Glück und der Sympathie Ragnars für den Bengel, kann sich Uthred dem Zugriff seines Onkels entziehen und Ragnar adoptiert ihn sogar. Fortan lebt er als anerkannter Sohn Ragnars unter den Dänen. Natürlich hat er wenig Freunde, da einige Wikinger ihn nach wie vor als Engländer sehen.

Als Ragnar und seine Familie getötet werden, muss Uthred – nun schon erwachsen – mit einem Sklavenmädchen fliehen und schlägt sich über Umwege zu den Engländern durch. Prinzipiell sind die Engländer – hier vertreten durch den legendären Alfred Den Großen – Uthred nicht abgeneigt, aber das Misstrauen bleibt, da Uthred nicht nur wie ein Wikinger aussieht, sich sondern auch wie einer benimmt. Ihm fehlt Alfreds hohe Bildung, die eloquente Sprache, das vornehme Benehmen, kurzum er ist ein Raubein, wie es im Buche steht. Aber ein Raubein mit entscheidenden Informationen im Kampf gegen die Wikinger, er kennt ihre Schlachttaktiken – lehrt den Engländern, einen Schildwall zu bilden und gibt Auskünfte über die Bedeutung verschiedenster magisch anmutender Praktiken, die für die Christen wie das Werk des Teufels erscheinen. Alfred vertritt die Meinung, wenn man seinen Feind kennt, braucht man keine Angst mehr zu haben und nur dann können seine Männer mit voller Kraft kämpfen. Aus diesem Grund ringt er Uthred eine Dienstschaft ab, verheiratet ihn und bindet ihn so an sich. Dennoch steckt Uthred immer wieder zwischen die riesigen Mahlsteinen politischer Intrigen, Missgunst seiner Wikingerherkunft wegen und eben auch seinem mangelnden Respekt dem König gegenüber.

Meine Meinung zu “The Last Kingdom”

Die Serie “The Last Kingdom” ist gelungen und ich bin richtig warm mit ihr geworden. Nachdem ich mir vier Staffeln Vikings angeschaut habe, suchte ich regelrecht verzweifelt nach Informationen zu Ragnar Lodbrok und ich war hocherfreut, als Ragnars Söhne Ubbe und Ivarr erwähnt wurden. Auch Alfred hatte bereits in Vikings als Junge einen Kurzauftritt. Die Serie KÖNNTE man fast als Spinoff von Vikings betrachten, hat aber natürlich eine völlig andere Herkunft. Das Thema ist in etwa das gleiche, wenn man es auf Wikinger/ Dänen in England reduzieren möchte, der Fokus liegt diesmal auf einem Engländer, der ein Wikinger ist, jemand ohne Herkunft, ohne Namen, rastlos. Etwas irritierend empfand ich, das hier viele Ragnars rumlaufen. 😉 Ich verband mit dem Namen Ragnar immer Ragnar Lodbrok, fehlt nur noch Björn Eisenseite und Lagertha.

Bei solchen historischen Serien ist es immer wichtig, dass sich die Autoren zumindest an die wenigen überlieferten Fakten hält, und das ist hier gut gelungen. Die Orte, die Schlachten, alles in allem sehr stimmungsvoll. Die Welt ist düster, dreckig und schlammverkustet. Recht hat der, der das größere Schwert, die meisten Männer, hat. Die krassen Gegensätze zwischen Dänen und Engländern, den ungehobelten Wikingern und dem disziplinierten Engländern – ich muss hier wieder Alfred hervorheben, obwohl auch dieser durch gelegentliche sexuelle Ausrutscher vermenschlicht wird – sind sehr gut herausgearbeitet. Die Serie versucht nicht, irgendjemanden in einen Heldenstatus zu erheben, jeder hat seine düstere Seite, aber manchmal kommt eben auch ein wenig Heldenmut zum Vorschein. Gerade Uthred hat das Herz doch am rechten Fleck, während Alfred sehr mit der Bürde der Herrschaft zu kämpfen hat.

Die Serie entspricht zudem genau dem, was man von Cromwell erwarten kann: so realitätsnah wie möglich, schonungslos, unerbittlich, ehrlich. Und dabei noch einen interessanten Plot. Ich bin gespannt, wie sich die erste Staffel weiterentwickeln wird und kann die Serie eigentlich jedem, der Vikings mochte, empfehlen. Sie ist eine erfrischende Abwechslung und wirklich etwas für Historienfans wie mich. 🙂

Und weil gerade Cromwell und Sharpe aus der Versenkung aufgetaucht sind, werde ich mich demnächst den Novels von ihm widmen. Aber erst nachdem ich Vikings… äh… The Last Kingdom durchhabe. 🙂

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